Der deutsche militairischen Führung war bereits beim Bau des Westwalls klar,dass eine solch ausgebaute Verteidigungslinie einen
energischen Angriff des Feindes höchstens verzögern würde. Die dadurch gewonnene Zeit sollte der Heranführung der eigenen
Kräfte dienen . Der Westwall hatte eine Länge von 630 km. Er begann bei Kleve am Niederrhein und lief entlang der niederlän-
dischen,belgischen,luxemburgischen und französischen Grenze bis nach Basel.
Der Ausbauarbeiter, anfänglich bis 1942 geplant wurde nach dem ende des Westfeldzuges 1940 eingestellt. Bis zum diesem
Zeitpunkt wurden etwa 14.000 Bunker gebaut. Das Eisenbetonhöckerhindernis(Höckerlinie) nahm eine Länge von rund 167 km ein.
Durch Propaganda wurde der Westwall gezielt als gigantischen, unüberwinbares Bollwerk dagestellt. Im September 1939 erfüll-
tewer seine Schutzfuntion während des Polenfelzuges und im Folge auch bis zum Beginn des Feldzuges in Mai 1940.
Die Propaganda wirkte sich erneut auf die Alliierten aus, als diese ab der 12 September 1944 vor der Befestigungs-linie standen.
Im Alliierten Sprachgebrauch wurde nicht von Westwall, sondern von der Siegfriedlinie gesprochen. Die Höckerlinie bezeich-
neten sie als "Dragonteeth"( Drachenzähne )
Anfang September 1944 verlief die Front im Westen von der Scheldemündung durch Nordbelgien und Süd-Holland und erreichte bei
Aachen den Westwall. Die deutsche Führung, deren militärische Führungsstruktur intakt geblieben war, konnte die scheinbar
regellos undiszipliniert zurückflutenden Reste des Westheeresauffangen, neu ordnen und darüber hinaus noch verstärken. Die
verteidigung wurde entlang dem Westwall neuorganisiert. Trotz technischer Überalterung, unzureichender Ausstattung mit Waffen.
Munition, Nachtrichtenmittel und ungenügenden Ausbau bildete der Westwall eine mögliche und vor der Seit der Moral her zu
sehende Auffang-und Sperrlinie. Generalfeldmarchall von Rundstedt übernahm am 3 September 1944 die Verteidigung
Deutschlands im Westen. Rundstedt gab die Divise aus, dass dem Westwall eine entscheidende Rolle zukäme und jede einzelne
Anlage gemäss Führerbefehl bis zur letzten Patrone, gegebenenfalls bis zur Vernichtung, zu halten sei.
Den Zustand des Westwalls am 10 September 1944 umschreibt eine Eitragung im Kriegstagebuch des Oberbefehlshabers West
(OB West) wie folgt.
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Kriegstagebuch Oberbefehlshaber West, Anlage 2078 Orginalabschrifft ohne Verteiler,10.9.1944
Bisheriger überblick über Zustand des Westwalles ergibt:
1) Ein grosser Teil der Ständigen Anlage besitzt nur eine Betonstarke von 1.50 m. ein geringener Teil eine solche von 2 m. Mithin
Schutz gegen Lufteinwirkung nur bedingt gegeben. Das Gleiche gilt für Pz.Platten.
2) Festungseigentümliche Waffen, Bevorratung mit Mun.und Verpflegung erst in Zuführung bzw.noch nicht ausgelagert.\
3) Pz. Abwehrwaffen in ständigen Bauten nur 3.7 cm.\
4) Höckerhindernisse, soweit nicht verstärkt und modernisiert, halten Panzer nicht auf, sie werden z.Zt. durch Panzergraben Ver-
stärkt.
5) Drahtsperren überall abgebaut, Neuanlage lauft an. Mangel an Draht, noch in Zuführung, desgleichen T-undS-Minen erst in
Zuführung. Zahl unzureichend.
6)Z.Zt. arbeiten 167.000 Arbeitskräfte aller Art an der Verstärkung des Westwalles und am Ausbau der Weststellung. Beschleunig
te Erhöhung wird mit beteiligten Gauleitern durch OB West geregelt werden.
7) Nach Meldung Kommandant Festungsbereich West Dauer der Wiederaufrüstung (grobe Schätzung ) 5-6 Wochen.
Der Chef des Gen. Stabes Ob. West
gez.Westphal
Generalleutnant
Ia Nr. 7843/44 geheime Kommandosache Für die Richtigkeit der Angaben:
(Unterschrift)
Oberleutnant
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